Romanze Italiane: Oehm Classics (OC 372)
ROMANZE ITALIANE (KARL LÖBL, KURIER Wien, 04.09.2005)
"Romanze Italiane" nennt der Wiener Bariton Paul Armin Edelmann seine neue CD (bei Oehms Classics). Diesmal tritt er nicht im Duo mit Bruder Peter auf, sondern solo , mit Liedern von Verdi, Tosti, Donaudy und Respighi (auch dessen Szene "Il tramonto" enthält das Programm). Nicht touristenwirksame Canzonen werden vorgetragen, sondern vokale Kammermusik in unterschiedlichen Stilen. Edelmann singt das sehr kultiviert, mit starkem Ausdruck und wohlklingendem Bariton, Marco Ozbic ist ihm nicht bloß aufmerksamr Begleiter, sondern differenziert pointierender pianistischer Mitgestalter.
Schmelz ohne Schmalz
Italien gilt in musikalischer Hinsicht nach wie vor als ‘Land der Oper’, während das Kunstlied sich heute vielfach als eine Domäne deutscher bzw. deutschsprachiger Komponisten darstellt. Dass diese Etikettierungen relativierbar sind, demonstriert die vorliegende CD ‘Romanze Italiane’, auf der der Wiener Bariton Paul Armin Edelmann und der Pianist Marco Ozbic Lieder von vier italienischen Komponisten präsentieren. Obwohl sich ihre Entstehungszeit vorwiegend auf das ausgehende 19. und beginnende 20. Jahrhundert datieren lässt, decken die eingespielten Stücke ein breites stilistisches Spektrum ab und vermitteln so einen Einblick in die Vielseitigkeit des italienischen Liedschaffens um die Jahrhundertwende.
Gelungene Auswahl
Den Anfang machen sieben Lieder aus den ‘36 Arie di stile antico’ von Stefano Donaudy. Die 1918 veröffentlichte Sammlung von Kompositionen auf Texte seines Bruders Alberto Donaudy ist heute so ziemlich Alles, was von dem 1879 in Palermo geborenen Komponisten bekannt ist. Seine 1922 uraufgeführte Oper ‘La fiamminga’ (Die Flämin) erlebte nur ihre Premiere und wurde dann abgesetzt; eine herbe Enttäuschung, die sicherlich auch dazu beitrug, dass Donaudy schließlich ganz mit dem Komponieren aufhörte. Bei seinen Liedern handelt es sich überwiegend um kurze und (an ihrer Entstehungszeit gemessen) traditionell verankerte Stücke mit kantabler Stimmführung und meist untergeordneter, akkordischer Begleitung.
Diesen charmant-eingängigen Miniaturen folgt das schwärmerische ‘Ad una stella’ und das aufbrausende ‘Brindisi’, zwei Kompositionen aus Giuseppe Verdis ‘Sei Romanze’ von 1845. Eindeutig moderne Einflüsse machen sich bei den fünf Liedern von Ottorino Respighi bemerkbar, die jeweils von sehr unterschiedlichem Kolorit sind und mit erweiterter Harmonik, Pentatonik und impressionistischen Anklängen spielen. Den Abschluss bilden die ‘Quattro canzoni d’Amaranta’ von Francesco Tosti – vier Lieder, die im Vergleich mit seinem überstrapazierten ‘Ideale’ oder ‘La Serenata’ eine willkommene Abwechslung darstellen. Schon diese gelungene Auswahl von stilistisch und stimmungsmäßig sehr unterschiedlichen Stücken ist ein großer Pluspunkt der Einspielung.
Baritonaler Wohlklang
Über die Interpretation gibt es ebenfalls Positives zu berichten. Paul Armin Edelmann wird den vielfältigen stimmlichen Anforderungen voll gerecht und verströmt baritonalen Wohlklang. Besonders bei den anspruchsvollen Liedern von Respighi und Tosti – üblicherweise ein Hoheitsbereich von Tenören mit heldischen Anlagen oder ebensolchen Ambitionen – kann er die Stärken seiner hohen lyrischen Stimme ausspielen. Edelmann lässt sich dabei auch im forte der Höhe (zum Beispiel in Respighis abgründigem ‘Nebbie’) nicht zum Forcieren verleiten; die Töne sind stets auf dem strömenden Atem platziert und klingen in allen Lagen ausgeglichen und gesund. Dabei singt Edelmann mit Schmelz aber ohne Schmalz, was bei diesen Stücken einem schwieriger Balanceakt gleichkommt.
Sensibel begleitet wird er von Marco Ozbic. Der Pianist versteht es, die melodiöse Gefälligkeit der Donaudy-Lieder nicht übermäßig zu betonen, was sie ehrlich und unaffektiert klingen lässt. Bei den Stücken von Respighi und Tosti hingegen schöpft er die psychologischen Möglichkeiten des Klavierparts voll aus. Exemplarisch kann hier Respighis ‘La fine’ genannt werden – ein Lied, in dem sich ein sterbendes Kind von seiner Mutter und der Welt verabschiedet.
Keine leichte Kost
Der Titel und auch das etwas arglose Cover von ‘Romanze Italiane’ können irreführend sein: ‘Romanze’ sind nun einmal (Kunst)Lieder und keine ‘Romanzen’ im deutschen Sinne. Entsprechend ist die CD keine leichte Kost und ungeeignet als Hintergrundbeschallung für italienische Abendessen oder ähnliche Anlässe. Manche der Lieder kommen psychologischen Kammerstücken gleich und die Musik fordert demgemäß Konzentration und volle Aufmerksamkeit vom Hörer.
Das CD Booklet bietet in sofern Unterstützung, als sich darin neben den Künstlerbiographien ein aufschlussreicher Einführungstext zu den Liedern findet, der zum Teil auch musikwissenschaftlichen Kriterien gerecht wird. Schade nur, dass die Liedtexte ausschließlich auf Italienisch abgedruckt sind; zumindest eine englische Übersetzung wäre wünschenswert! Von diesem kleinen Schönheitsfehler abgesehen lässt ‘Romanze Italiane’ jedoch keine Wünsche offen für Musikliebhaber, die eine Einspielung nicht alltäglicher Lieder in einer vorbildlichen Interpretation suchen.
(magazin.klassik.com, Kritik von Andreas Schubert, 03.06.2005)

